Das Gute sehen lernen

 

Liebe Leserin,

lieber Leser!

Ingrid schenkt ihren Freundinnen eine Handvoll farbige Murmeln. Die sind etwas verdutzt, denn aus dem Alter, in dem man murmelt, sind sie heraus. Und zuhause in ein Glas tun – nein, eher nicht. Staubfänger können Sie alle miteinander nicht leiden. Fast jeder Tag, sagt Ingrid, hat schöne Seiten. Da kriegt man ein nettes Mail. Der Ehemann drückt einen besonders intensiv, ein Plan haut genau so hin, wie man sich das ausgemalt hat. Und die Amseln lassen die Meisen im Vogelhäuschen mal in Ruhe futtern.

Ja, sagen die Freundinnen. So was soll’s geben. Aber an was denkt ihr am Abend? fragt Ingrid. An das, was ihr nicht geschafft habt: An den übellaunigen Kollegen und Berge von Bügelwäsche. Ich möchte, dass ihr ab und zu am Ende eines Tages merkt, wie schön er eigentlich war. Drum: Tut die Murmeln in irgendeine rechte Tasche – und jedes Mal, wenn ihr euch über jemand oder etwas freut, dann steckt eine Murmel in die linke Tasche. Am Abend merkt ihr dann, was alles von rechts nach links, zur Herzseite, gewandert ist. Wie viel kleines und großes Glück dabei war unter den vielen Sorgen.

„Dies ist der Tag, den der HERR macht: Lasst uns freuen und fröhlich an ihm sein“, heißt es im Buch der Psalmen in der Bibel. Man kann mit und ohne Murmeln nachdenken, was einem dieser Tag an Gutem gebracht hat- und sich dann vielleicht ausgiebig freuen!

Herzliche Grüße,

Pfarrerin Eva-Maria Bernhard

(Vakanzpfarrerin in der ev. Kirchengemeinde Ginsheim)