Segensreich –

Liebe Leserinnen und Leser,

Segen ist etwas Wunderbares. Der Segen ist ein Geschenk. Und es gibt wohl kaum jemanden auf der Welt, der nicht gesegnet werden möchte – ganz egal, wie der Segen auch heißen mag: „Viel Erfolg“, „Gott behüte dich“ oder „Möge die Macht mit dir sein“. Segen begegnet uns vor allem im Gottesdienst, ist aber auch im Alltag präsent. Viele Eltern wünschen sich für ihre Kinder, dass sie beschützt und behütet werden. Diesen Wunsch drücken die oft bei Taufen ausgesuchten folgenden Psalmsätze aus: „Denn er befiehlt seinen Engeln, dich zu behüten auf all deinen Wegen. Sie tragen dich auf Händen, damit dein Fuß nicht an einen Stein stößt.“ (Ps 91, 11-12)

Der Segen kann aber auch eine Herausforderung sein. Das zeigt sich in einem Gemälde von dem italienischen Maler Caravaggio aus dem Jahre 1609 mit dem Titel „Verkündigung“. Der Künstler arbeitete viel mit hellen und dunklen Kontrasten. Ich möchte Ihnen kurz das Bild beschreiben. Dargestellt wird der Engel Gabriel, der auf linken Seite des Bildes plötzlich auf einer Wolke schwebend in die Szene kommt. Er breitet seinen Arm in einer Segensgeste aus. Nur im Profil sieht man eine kniende Frau, Maria, die ihre Arme vor der Brust verschränkt hat. Es handelt sich natürlich um die Verkündigungsszene aus dem Lukasevangelium. Der Engel kommt plötzlich und völlig unerwartet in Marias Alltag und sagt ihr: „Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir.“ (Lk 1, 28) Die Szene beginnt also mit einem Segen. Das drückt die Geste des Engels aus.

Und dann passiert etwas, das nicht auf dem Bild abgebildet wird. In dem biblischen Text heißt es: Sie erschrak. Wieso erschrickt sie? Vielleicht fragt sie sich, was es mit diesem Segen auf sich hat. Was hängt damit zusammen? Und die Antwort kommt gleich darauf. Der Engel Gabriel sagt: „Fürchte dich nicht, Maria (…). Siehe, du wirst schwanger werden und einen Sohn wirst du gebären; dem sollst du den Namen Jesus geben. Er wird groß sein (…).“ (Lk 1, 30-32)

Maria fragt, sich, wie das passieren soll. Sie ist zwar mit Josef verlobt, aber von einem Kind weiß sie nichts. Und dieser Segen, der am Anfang steht, scheint im ersten Moment nicht wirklich ein Segen zu sein. Denn da kommt eine große Aufgabe auf Maria zu. Sie wird ungewollt schwanger und ihr Kind wird einmal groß werden. Doch dann kommt der Glaubensschritt: Maria nimmt den Segen an, obwohl sie erschrickt. Sie hat Vertrauen!

Auf dem Bild sehen wir sie in einer Haltung, die ausdrückt: Ich nehme den Segen an! Obwohl der Segen in dieser Szene zu einer Herausforderung wird. Sie weiß zwar noch nicht, wie segensreich der Segen sein wird, hat aber Vertrauen. Der Segen fordert also sie und auch uns alle immer wieder heraus. Und Maria ist bereit, neue Wege zu gehen, die vor ihr liegen und die sie erst mal nicht einschätzen kann. Sie vertraut darauf, dass alles gut wird. Der Schreckmoment bleibt aus. Was bleibt, ist das Vertrauen.

Ich wünsche Ihnen auch, dass sie den Segen immer wieder in Ihrem Leben spüren und erleben. Ich wünsche Ihnen, dass Sie die Kraft und Offenheit haben, neue Wege zu gehen und Herausforderungen anzunehmen  –  voller Vertrauen. Denn Segen ist etwas Wunderbares.

 

Herzliche Grüße,

Ihre Pfarrerin Katharina Meckbach