Gottesdienst zum Mitnehmen

für den Sonntag vor der Passionszeit (Fastnachtssonntag) –  14.2.2021

Pfarrerin Eva-Maria Bernhard, Evangelische Kirchengemeinde Ginsheim

YouTube-Musik-Links eingefügt von Armin Rauch 

Musik zum Einstimmung
Link auf www.youtube.com

Wir feiern unseren Gottesdienst im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes
Amen

Gott liebt mich. Er kennt mich. Ihm kann ich mich ganz anvertrauen. Er weiß den Weg für mich und füllt mir meine leeren Hände. Er ist immer bei mir.

Davon spricht auch der Beter von Psalm 139.  Mit seinen Worten beten wir:

Lieber Gott, mein Herz und meine Seele liegen offen vor dir.
Du durchschaust mich. Du kennst mich durch und durch.
Du begleitest meinen Alltag, du siehst, wenn ich sitze oder aufstehe;
Du verstehst mich, wenn ich nachdenke oder grüble;
wenn ich unterwegs bin oder irgendwo liege, um mich auszuruhen.

Du begleitest mich. Nichts, was ich sage, lieber Gott, ist dir unbekannt.
Du umwebst mich mit deiner haltenden Hand.
Begreifen kann ich das nicht. Es ist zu wunderbar!
Selbst wenn ich dir aus dem Wege gehen wollte- wohin denn?
Hätte ich Flügel und flöge zum Himmel: Da bist du auch!
Würde ich mich eingraben und bei den Verstorbenen verstecken:
Ich träfe dich an!
Würde ich mit der Sonne im Meer versinken: Auch dort würde ich dir begegnen.
Könnte ich zaubern und alles dunkel machen: Dann würdest du in der Dunkelheit aufleuchten.

Ich weiß: Schon vom Mutterleib an bin ich in deiner Obhut.
Ich bin dir so dankbar, dass mein Leben ein Wunder ist, ein Geschenk aus deiner Hand. 
Das habe ich begriffen.
Meine Zeit ist bei dir verzeichnet, jeder Augenblick.
Obwohl ich dich, lieber Gott, nicht fasse, wie ich auch die Tropfen im Meer nicht zählen kann, weiß ich doch eines genau:
Ich bin bei dir geborgen.
Du durchschaust mich, lieber Gott, und kennst mich genau.
Komm und überzeug dich, ob ich ehrlich bin.
Zeig mir, wenn mein Leben so nicht in Ordnung ist.
Nimm meine Zeit in deine Hand, bis ich am Ziel bin. 
Amen

Lied „Du bist da“ – EG+ 89
(Video zum Mitsingen mit dem Textdichter dieses Liedes Jan von Lingen – Link auf www.youtube.com)

Der Text dieses Liedes ist urheberrechtlich geschützt und wird deshalb hier nicht angezeigt.

Text: Jan von Lingen (2004)
Melodie: Gerd-Peter Münden (2004)

 

 

Wir beten:

Himmlischer Vater,
mit dir bin ich verbunden. Lass mich deine Nähe auch heute wieder spüren.
Die Last des Alltags will ich abschütteln, hinter die Fassaden blicken und wieder neu sehen,
dass Du mein Schöpfer bist, dass Du mich liebst genauso wie ich bin- von dir wunderbar gemacht und in deinen Augen wertgeachtet.

Lass mich erkennen, dass dies der Grund meines Lebens und meiner Würde ist und bleibt.
Amen

  

Liebe Schwestern und Brüder,

„Mama, eine Hexe, eine Hexe“, schreit der Kleine, rennt dabei weg und wirft sich in die Arme der Mutter. Und er will sich auch nicht beruhigen, als der freundliche junge Mann seine Hexenmaske vom Gesicht nimmt, sich zu dem Dreijährigen herunterbeugt und ihm über den Kopf streicheln will. „Geh weg, du Hexe“, schreit der kleine Junge und nimmt die Maske für die Wirklichkeit. So sehr hat sie ihm Angst gemacht, dass er nicht mehr sehen will, was sich dahinter verbirgt.

Manchmal geht’s mir nicht anders als dem Kleinen, liebe Gemeinde, und das nicht nur am Fastnachtssonntag. Manche Maske ist so täuschend echt, dass es mir schwerfällt, den lebendigen Menschen dahinter zu entdecken. Die Maske ist stärker als die Wirklichkeit. An Fastnacht ist das ein Spiel. In der Fast-Nacht, der Nacht vor der Fastenzeit, kann man einmal im Jahr aussteigen aus diesen Schubladen der Gesellschaft. Eine Nacht lang ist man ein anderer, kann ausgelassen tanzen und tollen – der Kleine ist groß, die Großen sind klein.

Was an Fastnacht nur ein Spiel ist, kann im wirklichen Leben bitterer Ernst werden. Eine/r glaubt, sie/er darf sich nicht so zeigen, wie sie/er ist. Vielleicht war dieser Mensch einmal frei und offen und dann ist er verletzt worden. Da hat er sich ein Stück zurückgezogen in sich und die verletzliche Stelle geschützt und zugemacht.
Im Lauf der Zeit ist er immer weiter in sich zurückgegangen und jetzt zeigt er niemandem mehr sein wahres Gesicht.

Von einem solchen Menschen will ich heute erzählen und davon, wie es ihm möglich wurde, seine Maske abzulegen und mit ihr die Angst.

Die Rede ist von Herrn Zachäus. Er trägt die Maske des Bösewichts. Die meisten haben Angst vor ihm. Denn er hat Macht. Bei ihm im Zollbetrieb arbeiten Menschen. Sie verdienen ihr Geld bei ihm, sind abhängig von ihm. Er kann ihnen drohen, hat sie in der Hand. Er kann ihnen nützen oder schaden, kann sie fördern oder fallenlassen. Sie müssen tun, was er von ihnen fordert. Zachäus hat endlich den Spieß umgedreht. Denn alles, was er tut, ist ihm auch angetan worden. Wie das kam? Nun, nicht immer hatten die Menschen Angst vor ihm. Zunächst haben sich die Menschen sehr gefreut über ihn. Das war, als er geboren wurde. Seinen Vater hat er sehr glücklich gemacht. Endlich ein Junge nach den vielen Mädchen! Aber diese Freude legte sich im Laufe der Zeit. Er merkte nämlich, dass Zachäus nicht so war wie er ihn gerne gehabt hätte. Einen richtigen Jungen hätte er gerne gehabt. Einen, der kräftig ist, sportlich, der Fußball spielen kann. Stattdessen flocht Zachäus am liebsten seinen Schwestern die Zöpfe oder spielte mit Puppen. Und Fußballspielen konnte er gar nicht. Vielmehr war er oft krank und eher mickrig, wie Vater es ausdrückte.

„Selbst wenn du gesund bist, siehst du krank aus“, hat er öfter gesagt und sich dabei umgedreht. Aber den enttäuschten Gesichtsausdruck von ihm wird Zachäus nie vergessen. Deshalb hat sich Zachäus im Laufe der Zeit ein dickes Fell zugelegt. Da prallte so manches ab. Jedenfalls ließ sich Zachäus nicht mehr jede Bemerkung des Vaters unter die Haut gehen.
Seine Mutter merkte, dass es ihm nicht gut ging. Deshalb versuchte sie Zachäus zu entschädigen und kochte ihm meist sein Lieblingsessen. Davon bekam er auch noch einen kleinen Bauch. Das führte natürlich dazu, dass er nicht gerade gut ankam bei den Mädchen.

Er erinnerte sich an den Tanzstundenball: wenn er eines der Mädchen zum Tisch zurückführte, steckten sie die Köpfe zusammen und kicherten dann meistens. Mit der Zeit zog sich Zachäus immer mehr in sich zurück. Erst in seine Traurigkeit, dann in seine Wut. Und eines Tages, so schwor er sich, würde er´s allen heimzahlen!

Wäre er nicht so wütend gewesen, nicht so allein und nicht so dick – wer weiß, ob alles so gekommen wäre. Wahrscheinlich wäre er dann Fußballspielen gegangen oder tanzen und hätte eines Tages eine Frau kennengelernt und geheiratet.

Dann aber kam seine große Chance. Für eine ihrer Zollstationen suchten die Römer einen neuen Beamten. Wer wollte diesen Job schon machen? Wer mit denen gemeinsame Sache machte, wurde geächtet. Ja mancher Verräter war schon umgebracht worden. Und Zöllner – die galten als Betrüger, weil sie den Leuten jede Menge Geld aus der Tasche zogen. Betrüger und Verräter zugleich – da scheute sich jeder davor. Das kam Zachäus aber gerade recht. Die Meinung der anderen war ihm inzwischen sowieso egal. Traurig, wütend, allein und dick wie er war, hatte er alles für sich abgeschrieben: Frauen, Freunde, seine Familie – na ja, um die Mutter tat es ihm leid, denn sie liebte ihn.

Er hatte nichts zu verlieren und stieg ein in das Geschäft, das ihm Geld und Macht versprach. Hier ein bisschen Betrug und dort …. Bald hatte er´s zu etwas gebracht! Sein Haus war groß und prächtig und manche Frau hätte ihn gern genommen – jetzt …… Aber er traute ihnen nicht mehr. Stattdessen nahm er Koch und Dienerschaft ins Haus und ließ es sich gut gehen. Wenn er nur nicht so allein gewesen wäre …
Manchmal tanzte er allein im Kellerraum, aber das passte nicht zu seiner Macht, er kam sich dann lächerlich vor.

Eines Tages schnappte er auf, dass ein gewisser Jesus in die Stadt kommen sollte. Und sein gesamtes Dienstpersonal wollte ihn sehen und deshalb wollten alle frei haben. Das ärgerte ihn – auch, dass er nicht wusste, wer dieser Jesus eigentlich war. Schließlich schienen es alle andern zu wissen. Aber er fragte nicht. Zachäus lag im Bett und starrte an die Decke. Keiner war da. Keiner mochte ihn wirklich. Keiner traute ihm. Alle hielten ihn für einen schlechten Menschen. Und da wurde er seit langem wieder einmal richtig traurig.

Am nächsten Morgen war die Hölle los, weil alle in die Stadt drängten, um Jesus zu sehen. Zunächst dachte Zachäus: „Mein Gott, heute mache ich das Geschäft meines Lebens. So viele sind noch nie an der Zollstation gewesen“. Doch je größer das Gedränge wurde, desto mehr ärgerte er sich, dass er hier stehen und schuften sollte und nichts mitbekam von diesem Jesus. Zum Erstaunen der Durchreisenden sagte er plötzlich zu ihnen: „Für heute ist Feierabend“, schloss die Zollstation zu und ließ sich von der Menge mitziehen – die Straße entlang, wo alle sich drängten und warteten auf Jesus. Schon wieder bin ich zu klein, dachte er erbittert, als er sich mit seinem Bäuchlein durch die Menge schob. Und die drückte ihn an den einzigen Baum, der dastand.

Und er wusste nachher selbst nicht wie ihm geschah: Er stieg auf den Baum hinauf! Und dann saß er oben und es war ganz leicht gewesen und er hatte gar nicht darüber nachgedacht, ob er sich damit lächerlich machte. Im Gegenteil. Er merkte: Er war quietschfidel. Endlich hatte er mal etwas gemacht, was er schon lange machen wollte und sich nie getraut hatte. Und sehen konnte er auch. Weitersehen als die anderen Leute. Und da kam dieser Jesus mit irgendwelchen Männern und die Menschen jubelten und er wäre vielleicht auf den Marktplatz gegangen, wenn nicht …………………………..

Ja, wenn Jesus nicht plötzlich so abrupt unter dem Baum stehen geblieben wäre und hinaufgeschaut hätte, dass Zachäus der Schweiß ausbrach und er hochrot anlief. Dieser Jesus sah ihn an, als könnte er alles lesen, was ihn verbittert und enttäuscht hatte. Durch seine Maske sah er ihm direkt ins Herz. Er sah den Jungen, der gerne Fußball gespielt und mit Mädchen getanzt hätte. Er sah den jungen Mann, der gerne eine Freundin gehabt hätte und er sah, dass Zachäus sehr allein war. Sah er das?  Zachäus wusste es nachher selber nicht mehr so genau.
Nur eines wusste er: Dieser Jesus hatte gesagt: „Ich will heute dein Gast sein!“

Und zwar hatte er es so gesagt, als wäre das etwas völlig Normales. So ganz nebenbei hatte er´s gesagt. Da merkte Zachäus, wie ihm das Herz fast stehen blieb und wie ihm ganz warm wurde von oben bis unten.
Und er hätte singen können vor Freude!

Nachher hatte er nicht viel erzählen können. Nicht mehr, was sie eigentlich gegessen hatten und worüber sie geredet hatten. Nur eines wusste Zachäus noch genau: Wie er sich gefühlt hatte. Er hatte sich so frei gefühlt, wie schon lange nicht mehr. Er hatte das Gefühl, alles sagen zu können, selbst die dümmsten Sachen. Er hatte keine Angst gespürt, dass Jesus ihn auslachen würde oder verachten. Im Gegenteil: Es war so, als sei er endlich angekommen – wie ein unruhiges Schiff, das endlich den Hafen gefunden hat! Ganz ruhig wurde er in seiner Gegenwart.

Manchmal fragte er sich später, ob es wohl ein Zufall gewesen sei, dass ihm das Geld an dem Tag ganz egal gewesen war und dass er auf seine Autorität gepfiffen hatte (er saß ja auf dem Baum als erwachsener und mächtiger Mann). Und das Verrückteste war: Er brauchte kein dickes Fell mehr. Im Gegenteil: Es war schön, die Sonne auf der Haut zu spüren und den lauen Abendwind, die Freundlichkeit, die von Jesus ausging und die Geborgenheit. Er hatte Jesus fest in seinem Herzen. Und noch etwas: Er spürte auf einmal, dass er die bösen Blicke der anderen verstehen konnte und dass sie ihm wehtaten. Er konnte wieder empfinden. Unter normalen Umständen wäre er jetzt ans Fenster gegangen und hätte die Leute vertrieben. Aber auf einmal kam ihm sein ganzes Machtgehabe so lächerlich vor. Zum ersten Mal merkte er, dass es ihm so gut ging, dass er so glücklich war, dass er ´s schlecht aushalten konnte, wenn es anderen nicht so gut ging. Deshalb kam es ihm ganz selbstverständlich vor, dass er zu Jesus sagte: In Zukunft sollen die Hälfte meiner Einnahmen die Armen bekommen und allen, die ich betrogen habe, werde ich das Gestohlene doppelt und dreifach zurückzahlen. Und er merkte, wie der Gedanke daran ihn jetzt schon glücklich machte. Ich habe keine Lust mehr, jemand zu sein, der ich selber nicht sein will, dachte er bei sich. Ich habe Lust auf Glücklichsein und Glücklichmachen. Und Zachäus war froh, dass er endlich sein konnte, was er doch eigentlich war: ein liebenswerter Mensch, von Gott wunderbar gemacht, ein Geschenk des Himmels.

Liebe Schwestern und Brüder, ein Mensch nimmt die Maske ab. Sein Leben – zur Maske erstarrt – wird wieder lebendig und beweglich. Und warum? Weil sein Gegenüber um seine Verletzlichkeit weiß, ihm Raum gibt und ihn schützt.

Jesus sieht liebevoll in unser Herz. Er weiß, was uns fehlt, was wir brauchen. Ihm können wir und ganz und gar anvertrauen – mit allem, was uns bewegt und ausmacht. Und wir werden erleben, dass er unsre leeren Hände füllt und spüren, was Gott, unser himmlischer Vater uns zusagt:

„Du bist in meinen Augen wertgeachtet und herrlich und ich habe dich lieb.“

Die Liebe Gottes gibt uns Heimat, Geborgenheit und Freiheit- auch die Freiheit, den Nächsten so zu lieben wie mich selbst.
Amen

(Die Geschichte von Zachäus steht in der Bibel bei Lukas, Kapitel 19, 1-10)

 

Lied  „Gottes Liebe ist wie die Sonne“, EG 620, Strophen 1-4
(Leider ist auf YouTube keine Version mit Liedversen aus unserem Gesangbuch zu finden)

Kehrvers (wird vor, zwischen und nach den Strophen gesungen)
/: Gottes Liebe ist wie die Sonne, sie ist immer und überall da. :/
Strophen:
1. Streck dich ihr entgegen, nimm sie in dich auf.2. Sie kann dich verändern macht das Leben neu.

3. Nichts kann uns von ihr scheiden, was auch immer es sei.

4. Denn der Herr dieser Liebe, Christus Jesus, ist treu.

Text und Melodie: Frankfurt/Main (1970)

 

Wir beten:

Herr, gütiger Gott,

Lass uns nicht vergessen, dass wir deine Kinder sind und bleiben.

Lass uns das jeden Tag wieder neu im Gebet aussprechen, dass wir im Vertrauen stark werden, dass du unsere Lebensquelle bist und uns unseren Lebenswert gibst.

Gerade in dunklen Zeiten, in denen wir schmerzlich erleben, dass wir von anderen nicht in unserer Ganzheit erkannt werden, sondern verkannt werden, reduziert werden auf das, was andere Menschen durch ihre Brille in uns sehen.
Gib uns Kraft, uns in dir zu verwurzeln. Dein Sohn Jesus sagt, dass wir dann frei werden und Frieden finden für uns und andere.

Dass Du immer und ewig bei uns bleibst, ist das größte Geschenk für unser Leben. Danke, Gott- darauf lass uns bauen.
Amen

 

Vaterunser

Vater unser im Himmel, Geheiligt werde Dein Name,
Dein Reich komme, Dein Wille geschehe wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit In Ewigkeit,

Amen.

 

Lied  „Da berühren sich Himmel und Erde“, EG+ 74
(Video zum Mitsingen – Link auf www.youtube.com)

Der Text dieses Liedes ist urheberrechtlich geschützt und wird deshalb hier nicht angezeigt.

Text: Thomas Laubach
Melodie: Christoph Lehmann

 

Segen

Der Herr segnet dich und behütet dich.

Der Herr lässt sein Angesicht leuchten über dir und ist dir gnädig.

Der Herr erhebt sein Angesicht auf dich

und gibt dir Frieden.

Amen

 

Musik zum Ausklang: John Stanley: Trumpet Tune
Link auf www.youtube.com