Gottesdienst zum Mitnehmen

für den 2. Sonntag in der Passionszeit (Reminiszere) –  28.2.2021

Pfarrerin Eva-Maria Bernhard, Evangelische Kirchengemeinde Ginsheim

YouTube-Musik-Links eingefügt von Armin Rauch 

 

Musik zur Einstimmung: Herr, du gibst uns Hoffnung
Link auf www.youtube.com

 

Alle Sonntage in der Passionszeit haben einen lateinischen Namen- nach den Anfangsbuchstaben von Psalmen. Der heutige Sonntag heißt:

„Reminiszere“ – Erinnere dich! Nach Psalm 25: „Erinnere dich doch, Herr, an deine Barmherzigkeit und Güte!“

Ums Erinnern geht es heute. Erinnern kann sehr heilsam sein für unsere Seele. Erinnern und hoffen sind aus demselben „Stoff“- so sagt es immer wieder die Bibel.

 

 

Lied „Er weckt mich alle Morgen“ – EG 452, Strophen 1-5
(Aufnahme zum Mitsingen – Link auf www.youtube.com)

  1. Er weckt mich alle Morgen, er weckt mir selbst das Ohr.
    Gott hält sich nicht verborgen, führt mir den Tag empor,
    dass ich mit seinem Worte begrüß das neue Licht.
    Schon an der Dämmrung Pforte ist er mir nah und spricht.
  2. Er spricht wie an dem Tage, da er die Welt erschuf.
    Da schweigen Angst und Klage; nichts gilt mehr als sein Ruf.
    Das Wort der ewgen Treue, die Gott uns Menschen schwört,
    erfahre ich aufs Neue so, wie ein Jünger hört.
  3. Er will, dass ich mich füge. Ich gehe nicht zurück.
    Hab nur in ihm Genüge, in seinem Wort mein Glück.
    Ich werde nicht zuschanden, wenn ich nur ihn vernehm.
    Gott löst mich aus den Banden. Gott macht mich ihm genehm.
  4. Er ist mir täglich nahe und spricht mich selbst gerecht.
    Was ich von ihm empfahe, gibt sonst kein Herr dem Knecht.
    Wie wohl hat’s hier der Sklave,der Herr hält sich bereit,
    dass er ihn aus dem Schlafe zu seinem Dienst geleit.
  5. Er will mich früh umhüllen mit seinem Wort und Licht,
    verheißen und erfüllen, damit mir nichts gebricht;
    will vollen Lohn mir zahlen, fragt nicht, ob ich versag.
    Sein Wort will helle strahlen, wie dunkel auch der Tag.

Text: Jochen Klepper 1938
Melodie: Rudolf Zöbeley 1941

 

 

Unseren Gottesdienst feiern wir im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Amen

 

Wir sprechen Psalm 25 (mit Worten aus heutiger Zeit):

Ich habe richtig Sehnsucht nach dir, lieber Gott.
Ich möchte mit dir reden, weil ich allein nicht fertig werde.
Es gibt Menschen, die feixen darüber und nennen mich fromm, was als Schimpfwort gemeint ist.
Aber mit dir zusammen habe ich keine Sorge.
Sag mir, was ich tun soll. Nimm mich an der Hand, wenn du mir deine Worte erklärst.
Du bist für mich wie ein großer Freund, wie ein Bruder; es gibt keinen Tag, an dem ich nicht an dich denke.
Lässt du dich an frühere Zeiten erinnern?

Ich habe gehört, dass du dich immer für das Leben deiner Menschen eingesetzt hast. So ist es immer gewesen.
Ich bitte dich: Nimm mich so wie ich bin, auch mit all meinen Schwächen und decke sie zu, damit nur du allein davon weißt.
Mit dir durchs Leben gehen; das bringt Sinn und Freude. Auf dich kann ich mich verlassen.

Ich glaube, du sagst jedem klar, was das Leben wert ist, Hauptsache, wir Menschen wollen uns nach dir richten.
Du bietest allen deine Freundschaft an. Ich bin froh darüber.

Komm zu mir, ich weiß manchmal nicht mehr aus und ein.

Vergib mir, ich will dir keinen Kummer machen, lass mich nicht allein.

Ich brauche dich und ich vertraue dir.

Amen

 

Wir beten:

Herr, unser Gott,

Wir erinnern uns an deine große Liebe zu uns, in Jesus hast du sie uns gezeigt.
Deine Liebe, die stärker ist als der Tod, die Licht bringt in alle Finsternisse unseres Lebens.
Lass uns in deine Liebe vertrauen und Hoffnung finden für uns.

Amen

 

Liebe Schwestern und Brüder,

Noch gut erinnere ich mich an einen Seelsorge-Besuch auf der stroke unit-Intensivstation für Schlaganfallpatient*innen. Bis vor Kurzem hatte die hochbetagte Patientin noch allein und selbstständig gelebt und viel gelesen. Dann kam der Sturz und der Gehirnschlag. Kaum setze ich mich zu ihr ans Krankenbett, fängt sie an zu erzählen – Gott sei Dank vermag sie das – erzählt von alten Zeiten…
„Schöne Zeiten waren das“, schwärmt sie. Ein halbes Leben liegt dazwischen. Sie seufzt und sagt, dass sie jetzt immer häufiger in solche alten Erinnerungen versinkt. Dann ist es leichter, die Gegenwart zu ertragen. Die Schmerzen sind halb so schlimm, aber dass ihr Gedächtnis so rapide nachlässt, das macht sie fertig. Die Namen der Krankenschwestern, die Wochentage – nichts kann sie sich mehr merken. Und sie wird wohl in ein Heim ziehen müssen. Die alten Erinnerungen aber, die kann ihr keiner nehmen. Glasklar sind sie da. Ein innerer Schatz. Und in manchen Momenten geben sie Kraft, sind ein richtiges Aufbaumittel für die Seele.

„Reminiscere“- „Erinnere dich doch!“ So heißt der heutige Sonntag, der zweite Sonntag in der Passionszeit, entnommen aus Psalm 25, in dem es heißt: „Erinnere dich doch, Herr, an deine Barmherzigkeit und an deine Güte“. Ums Erinnern geht es heute. Erinnern kann wie eine Medizin sein, etwas Heilsames für die Seele. Und ich denke, das kann so sein, selbst wenn die Erinnerungen nicht nur leicht und sonnig sind, sondern auch, wenn schwere und schmerzvolle darunter sind.

In einem anderen Gespräch mit einer anderen Patientin erfuhr ich, dass sie mit fünfzehn Jahren auf der Flucht von den feindlichen Soldaten vergewaltigt wurde. Trotzdem kann sie’s im Nachhinein als „Wunder Gottes“ bezeichnen, dass sie überlebte und nach all den Wirren ein neues und glückliches Leben anfangen konnte. Ich staune immer wieder, wie Menschen von solch schweren Zeiten erzählen können: nicht bitter und hadernd, wie man vielleicht vermuten möchte, sondern ganz sachlich. Es ist mir aufgefallen, dass neben all den schrecklichen Dingen immer wieder auch die guten, wertvollen Erlebnisse vor Augen stehen. Als gäbe es so etwas wie eine Verwandlung, wie wenn eine Wunde heilt: Was so wehgetan und einen gequält hat, zählt plötzlich nicht mehr im Vergleich zu den guten, heilsamen Erfahrungen. Das Stück Brot, das ein anderer Flüchtling im Zug verteilt hat, ist stärker in Erinnerung geblieben als der Hunger davor. Die Freundlichkeit der Bauersleute, bei denen man schließlich unterkam, zählt plötzlich mehr als der Schmerz über den Verlust des eigenen Hofes. Wie kann das sein, dass die bedrängenden und schwierigen Zeiten im Nachhinein doch eine ganze Menge Wertvolles und Lebenswertes enthalten? Und wie geht das zu, dass manche die Führung Gottes gerade darin erkennen, wenn sie auf die ganz schweren Erfahrungen ihres Lebens zurückblicken?

Beim Apostel Paulus gibt es eine Stelle, die sich wie eine Antwort auf diese Fragen anhört: ( Römer 5, 1-5)

Wir rühmen uns auch unserer Bedrängnisse, weil wir wissen: Bedrängnis bringt Geduld, Geduld bringt Bewährung, Bewährung bringt Hoffnung.
Die Hoffnung aber lässt nicht zuschanden werden. Denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den heiligen Geist, der uns geschenkt worden ist.“

Wir rühmen uns unserer Bedrängnisse“- hört sich komisch an. Ist das die christliche Unterwürfigkeit, dass man auf das Starke und Gute nicht stolz sein darf, aber das Schwache herauskehrt? Nein, Paulus vermochte durchaus sein Licht nicht unter den Scheffel zu stellen. Aber er sagt einmal: „Wer sich rühmen will, der rühme sich des Herrn“. Heißt: In allem, was er tat, war ihm eines bewusst: Es ist Gott, der letztlich dahintersteckt. Alles kommt von Gott. Alles läuft auf Gott zu. Alles ist von Gott umfangen und durchdrungen. Dieses Grundgefühl umspannt und trägt sein Leben wie ein unsichtbares, reißfestes Netz. Dieses Netz lässt ihm Freiheit und gibt ihm Halt und Geborgenheit in schwierigen Situationen. Und die gab es genug in seinem Leben. Er musste Anfeindungen aushalten und  Spott, wurde verfolgt und eingesperrt. Nicht nur einmal hat man ihm nach dem Leben getrachtet. Dazu belastete ihn mancher Streit innerhalb seiner Gemeinschaft der Christen bis zur Zerreißprobe. Und zu alledem litt Paulus an einer unheilbaren Krankheit, die ihm schwer zu schaffen machte. Weiß Gott kein einfaches Leben, in dem es locker zugeht. Und doch hat es Paulus fertiggebracht, auch die Schwierigkeiten als gottgegeben anzusehen. Er verschweigt die Probleme nicht. Diese Aufgaben packt er an, nicht stumm und alles erduldend, sondern aktiv, mit Energie und Phantasie.
So gesehen hat Paulus Einiges gemeinsam mit manchen von uns, oder? Wieviel Unsicherheit, Angst, wieviel lebensbedrohliche Situationen, Konflikte, Krankheiten! Wieviel aufregende Geschichten stecken drin in einem Menschenleben. Auf den ersten Blick sieht man keinem an, was er oder sie schon mitgemacht hat. Aber würden wir anfangen, einmal alles zu erzählen oder aufzuschreiben, dann würde manches Leben Bände füllen.

Reminiscere. Erinnere dich doch! Wie war es damals, wie hast du es erlebt, was geschehen ist? Was hast du behalten? Hast du etwas gelernt aus den vergangenen Zeiten? Fragen, die jede und jeder von uns sich selber stellen kann.

Michelangelo, der große Künstler, hat einmal gesagt: Gott hat der Hoffnung eine Schwester gegeben. Sie heißt Erinnerung. Das hängt zusammen: Erinnerung und Hoffnung. Vergangenheit und Zukunft. Das Alte und das Neue.

Die Verbindung zwischen Erinnerung und Hoffnung sieht auch Paulus. In unserem Briefabschnitt zeigt er sie auf eine Weise, die mich auf den ersten Blick an eine mathematische Schlussfolgerung aus meiner Schulzeit erinnert: Bedrängnis bringt Geduld, Geduld bringt Bewährung, Bewährung bringt Hoffnung. Die Hoffnung aber lässt nicht zuschanden werden.

Kann es nicht auch ganz anders sein, möchte ich Paulus fragen: Bedrängnis kann doch auch alles andere bringen als Geduld. Ungeduld eben, innere Unruhe, Verzweiflung. Wie viele gibt es, die ihre Bedrängnis, eine Krankheit, eine Zerreißprobe innerhalb der Familie, eine Lebenskrise, nicht bewältigen und elend daran zugrunde gehen! Denk doch nur an die Menschen, Paulus, die sich aus Verzweiflung das Leben genommen haben. Wie kannst du so einfach schreiben: Bedrängnis bringt Geduld…?

Doch, liebe Schwestern und Brüder, die Sätze des Paulus sollten wir nicht lesen wie einen Eintrag ins Matheheft. Nur ein Satz gilt. Nur eine Formel ist richtig. Alles andere wird vom Lehrer rot angestrichen. Aus eigener Lebenserfahrung wusste Paulus sehr gut, wie viele Arten es geben kann, zu leben und zu glauben. Am eigenen Leib hat er erfahren, wie einen ein Erlebnis umhauen kann. Er hat finstere Verzweiflung erlebt, Ungeduld und blinde Wut. Und oft war er selber nahe am Scheitern. Aber in alledem hat er immer damit gerechnet, dass es eine Kraft gibt, die höher ist als unsre Vernunft, höher als unser Wollen, unser Denken, Planen und Empfinden. Paulus hat in jedem Augenblick mit der Liebe Gottes gerechnet. „Die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den heiligen Geist, der uns geschenkt worden ist“, schreibt er. Deshalb, wegen dieses Geschenks, wegen der großen Liebe kann es sein, dass Bedrängnis Geduld bringt und Geduld Bewährung und Bewährung Hoffnung. Das kann so sein, muss aber nicht. Ein Geschenk lässt sich nicht herbeizwingen.

Die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen. Ich stelle mir das ganz bildlich vor: Mein Herz, mein innerstes Lebenszentrum, ist vollgegossen worden mit Liebe, mit göttlicher Liebe. Diese Liebe ist da und begleitet mich, so wie mein Herzschlag. Auch wenn ich ihn nicht in jedem Augenblick wahrnehme – er ist da. Auch wenn mein Bewusstsein ruht und ich in tiefem Schlaf versunken bin. Selbst wenn ich bewusstlos bin. Wie mein Pulsschlag hält die Liebe Gottes mich am Leben und durchströmt mich, solange ich bin.

Wenn ein Mensch krank ist, dann ist sein Pulsschlag oft erhöht. Ich habe das bei meinem Sohn häufig  erlebt, wenn er als Kind Fieber hatte. Und ich denke auch daran, dass man in solchen Zeiten als Eltern ungeheure Kräfte entwickelt: steht schlaflose Nächte durch, wechselt vollgespuckte Bettwäsche mehrmals hintereinander und schafft es trotzdem, geduldig und liebevoll zu seinem Kind zu bleiben. Die Herzfrequenz des Kindes und die Zuwendung der Eltern erhöhen sich gewissermaßen gemeinsam. Und am Ende ist es, als hätte die Liebe das Kind hindurchgetragen durch die Krankheitstage. Als alles überstanden war, da war unser Sohn so ausgeglichen und fröhlich wie lange nicht mehr. Als hätte die Krankheit ihm gutgetan, ihn stärker gemacht und einen ganzen Entwicklungsschritt vorangebracht.

Wenn die Liebe Gottes in mein Herz gegossen worden ist und mich begleitet wie mein Herzschlag, dann wird es mir ähnlich gehen wie meinem Kind mit seiner Grippe: Die Liebe versichert mich nicht dagegen, dass es auch mich einmal erwischt. Es kann mich ein Unglück, eine Krankheit, eine furchtbare Krise packen. Aber Gott wird mich deswegen nicht verlassen. Im Gegenteil: Vielleicht ist er mir besonders nah, wenn es mir schlecht geht. Vielleicht wird seine Liebe noch kräftiger, noch intensiver, wenn ich leide. Wie die Liebe von Mutter und Vater, wenn ihr Kind krank ist. Diese mütterliche/väterliche Liebe Gottes trägt mich durch, selbst wenn meine Kraft irgendwann völlig am Ende ist. Gerade dann, wenn ich am Nullpunkt bin, kann es einen neuen Anfang, einen Ausweg, eine unerwartete Hilfe geben.

Und am Ende bin ich dann stärker und lebendiger geworden, einen ganzen Schritt vorangekommen. Sich an solche Erfahrungen zu erinnern, das kann einem Kraft geben, die jetzigen Schwierigkeiten zu bewältigen. Reminiscere. Erinnere dich doch! Aus der Erinnerung kann – mitten in der Passionszeit – Hoffnung wachsen.

Für Paulus gibt es – neben allen persönlichen Erinnerungen an Erlebtes und Überstandenes – noch eine andere Erinnerung, aus der er Kraft und Hoffnung schöpft. Es ist die Erinnerung an Jesus Christus. Der war ein Mensch, bei dem viele den Pulsschlag der Liebe Gottes plötzlich spüren konnten. Gerade Leute, die nicht mehr viel erwartet haben vom Leben, die bereits resigniert und sich mit ihrer Situation abgefunden hatten. Der chronisch Kranke, der seit zig Jahren auf seiner Matte lag und vergeblich auf ein Wunder wartete. Der Zöllner, der mehr oder weniger freiwillig mit den Mächtigen unter einem Hut steckte  (Predigt an Fastnachtssonntag) und deshalb mit eiskalter Verachtung seiner Leute gestraft wurde. Oder die Frau, von der man behauptete, sie hätte sieben Dämonen im Leib, eine Hexe, mit der keiner etwas zu tun haben wollte. Sie alle fanden durch die Begegnung mit Jesus zu einer neuen Lebendigkeit, einer neuen Kraft, einer viel tieferen Lebensqualität. Dabei waren es meistens nicht einmal besonders spektakuläre Begegnungen. Ein Satz: „Steh auf, nimm dein Bett und geh!“,  ein gemeinsames Essen, eine Berührung… und schon war ein Stück Himmel auf die Erde gekommen. Daran hat Paulus wohl gedacht, wenn er schreibt: „Die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den heiligen Geist, der uns geschenkt worden ist.“

Er wird aber auch an das Schicksal Jesu selbst gedacht haben. Wir erinnern uns in der Passionszeit daran. Zweifel, Angst, tiefste Einsamkeit, Schmerzen, die einen zum Wahnsinn treiben – und schließlich kalte Todesangst.  All das hat Jesus erlebt. Ein grauenhaftes Ende für einen Mann Anfang dreißig, der doch noch so viel zu tun gehabt hätte auf dieser Welt. Im Nachhinein aber haben die Menschen gerade in diesem Ende die Liebe Gottes entdeckt: Denn, so sagten sie, was wäre es für eine Liebe, die vor Leid und Tod zurückschrecken würde? Gott liebt Jesus in den Tod hinein und durch den Tod hindurch. Der Tod ist keine Grenze für die Liebe. Sie ist stärker.

Und so bricht ein neues Leben auf, wie wenn sich die ersten Frühlingsblumen mit zarter Gewalt durch die Schneedecke schieben. Wenn ich die Worte des Apostels Paulus lese, scheint mir ein österlicher, triumphierender und lachender Geist daraus hervorzulugen, selbst wenn es um negative Dinge geht.

„Wir rühmen uns unserer Bedrängnisse“. Könnte so jemand reden, der nicht glauben würde, dass Bedrängnisse sich verwandeln können, dass man auferstehen kann aus Schmerzen und Resignation und Kälte und Starre, aus dem Tod eben, zu einem neuen, wunderbaren Leben?

Liebe Schwestern und Brüder! Paulus hoffte auf die Liebe. Auf eine riesige, weite, hohe und tiefe Liebe. Er war sich sicher, dass Gottes Liebe alle von uns erreicht, selbst diejenigen, die nichts von ihr spüren können. So hoffen – das wär’s! Das müsste man können, wenn’s drauf ankommt! Nur: Wie kommt man zu einer solchen Hoffnung, die einen nicht zuschanden werden lässt?

Ich habe am Anfang von der alten Frau erzählt, die ich in der Klinik besuchte. Als ich mich von ihr verabschiede, drückt sie mir lange die Hand und sagt:

„Bald werde ich sterben, hoffentlich. Soll ich dem himmlischen Vater von Ihnen einen Gruß bestellen? Ich werde ihm viel zu erzählen haben und auch meinem Mann, der ja schon bei Gott ist.“ Da habe ich gespürt: sie ist nicht allein, selbst wenn ich jetzt gehe. Die Erinnerung hat ihre Schwester – die Hoffnung – mit ans Krankenbett geholt. Die beiden – Erinnerung und Hoffnung – sind sehr gute „Krankenschwestern“.  Sie werden diese Frau stützen und halten, so lange, bis Gottes Arme sie auffangen.

Amen

 

 

Lied  „Ich lobe meinen Gott, der aus der Tiefe mich holt“, EG 638, Strophen 1-3
(Aufnahme zum Mitsingen – Link auf www.youtube.com)

Der Text dieses Liedes ist urheberrechtlich geschützt und wird deshalb hier nicht angezeigt.

 

Wir beten:

Vater im Himmel, der du bei uns bist und bleibst,

Du hast deine Liebe in unser Herz gegeben und in deiner Treue hältst du zu uns.

Du nimmst uns an wie wir sind als deine geliebten Kinder.

Durch dich haben wir die Kraft zu bestehen. Wir bitten dich,  uns ständig zu erinnern, deine Liebe nicht zu vergessen.

Lass uns nicht allein und halte zu uns, wenn Angst übermächtig wird.

Lass uns Frieden finden in uns, in anderen, in der Welt.

Lass uns da, wo wir leben, zu erkennen geben, dass wir Christinnen und Christen sind und wir uns zu dir bekennen und

Lass uns unser Vertrauen und Hoffen in dich weitertragen. Gib uns deinen Geist dazu.

 

Was uns bewegt, bringen wir in der Stille zu dir:…………………………………….

Herr, wir wollen dir vertrauen.
Amen

 

Wir beten, was Jesus uns gelehrt hat:

Vaterunser

Vater unser im Himmel, Geheiligt werde Dein Name,
Dein Reich komme, Dein Wille geschehe wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit In Ewigkeit,

Amen.

 

Lied  „Korn, das in die Erde, in den Tod versinkt“, EG 98, Strophen 1-3
(Aufnahme zum Mitsingen – Link auf www.youtube.com)

Der Text dieses Liedes ist urheberrechtlich geschützt und wird deshalb hier nicht angezeigt.

 

Empfange Gottes Segen:

    Der Herr segnet dich und behütet dich.

          Der Herr lässt sein Angesicht leuchten über dich und ist dir gnädig.

                 Der Herr erhebt sein Angesicht auf dich und gibt dir Frieden.

                              Amen          

 

Musik zum Ausklang: Orgelimprovisation über „Korn das in die Erde“
von und mit Traugott Fünfgeld
Link auf www.youtube.com