Gottesdienst zum Mitnehmen

für den 1. Sonntag nach Epiphanias  –  10.1.2021 

Auch über die Distanz, die uns die Corona Beschränkungen auferlegt, sind wir verbunden;
Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Liebe Leserin, lieber Leser!

Und wieder fordert die Corona Pandemie von uns, auch als christliche Gemeinden, Beschränkungen. So haben wir uns entschieden, zunächst im Januar auf Präsenzgottesdienste zu verzichten.
Und wie schon im Frühjahr des vergangenen Jahres werden Ihnen Gottesdienste zum Mitnehmen angeboten.

Wir wünschen Ihnen beim Lesen und Beten Gottes Segen.
Claudia Weiß-Kuhl, Pfarrerin

 

Der Wochenspruch, der uns durch die Woche nach dem 1. Sonntag nach Epiphanias geleiten will steht im Römerbrief, Kapitel 8, Vers 14:

Welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder.

 

Lied:  EG 65 Von guten Mächten

Refrain:

Von guten Mächten wunderbar geborgen,
erwarten wir getrost, was kommen mag.
Gott ist bei uns am Abend und am Morgen
und ganz gewiss an jedem neuen Tag.

1. Von guten Mächten treu und still umgeben,
behütet und getröstet wunderbar,
so will ich diese Tage mit euch leben
und mit euch gehen in ein neues Jahr.

2. Noch will das alte unsre Herzen quälen,
noch drückt uns böser Tage schwere Last.
Ach Herr, gib unsern aufgeschreckten Seelen
das Heil, für das du uns geschaffen hast.

3. Und reichst du uns den schweren Kelch, den bittern
des Leids, gefüllt bis an den höchsten Rand,
so nehmen wir ihn dankbar ohne Zittern
aus deiner guten und geliebten Hand.

 

Text: Dietrich Bonhoeffer (1944)

Melodie und Satz: Otto Abel (1959)

 

PSALM 121  Ein Wallfahrtslied

1 Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen. Woher kommt mir Hilfe?
2 Meine Hilfe kommt vom HERRN, der Himmel und Erde gemacht hat.
3 Er wird deinen Fuß nicht gleiten lassen, und der dich behütet, schläft nicht.
4 Siehe, der Hüter Israels schläft noch schlummert nicht.
5 Der HERR behütet dich; der HERR ist dein Schatten über deiner rechten Hand,
6 dass dich des Tages die Sonne nicht steche noch der Mond des Nachts.
7 Der HERR behüte dich vor allem Übel, er behüte deine Seele.
8 Der HERR behüte deinen Ausgang und Eingang von nun an bis in Ewigkeit!

 

 

Gebet

Wir haben Weihnachten schon fast vergessen, Gott, und erinnern uns kaum mehr an das Licht, den Lobgesang der Engel und deine Botschaft:

„Fürchtet euch nicht.“

Wir sehen nur noch, was vor Augen ist; unsere persönlichen Probleme, die Angst vor der Zukunft, die Einschränkungen durch das Virus und vieles, was uns dunkel erscheint.

Wir haben wieder verlernt, deinen Wundern zu trauen.

Gott, du Glanz aus der Höhe, Licht vom Licht, du bist in die Welt gekommen, mitten unter uns Menschen.

Wir bitten dich: Erleuchte unsere Herzen, damit wir im Dunkel der Welt dein Licht erkennen und bezeugen.
Amen

 

Ansprache – Nachweihnachtsgeschichten

Gnade sei mit Euch und Friede von Gott, unserem Vater und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

Liebe Leserin, lieber Leser!

Weihnachten ist vorbei, doch die Weihnachtszeit dauert ja noch an Vielleicht stehen Ihnen die Figuren der Weihnachtsgeschichte, wie Sie sie in einer Krippe gesehen haben oder vom Krippenspiel her erinnern, noch vor Augen. Einige sollen jetzt noch einmal zu Wort kommen.

Teilweise sind sie uns nah und unentbehrlich für ein Krippenspiel, teilweise, waren und sind sie noch immer Randfiguren. Schauen wir einige von ihnen noch einmal an und was aus ihnen geworden ist, so zwei Wochen und mehr nach Weihnachten.

Hören wir Nachweihnachtsgeschichten:

Liebe Leserin, lieber Leser!

Was ist eigentlich aus dem Gastwirt geworden – jetzt, wo Weihnachten schon wieder einige Tage vorbei ist? Sie wissen: der Gastwirt aus der Weihnachtsgeschichte, der angeblich keinen Raum mehr in seiner Herberge hatte, als Maria und Josef bei ihm anklopften.
Was hat der wohl gemacht, als er merkte, was sich da inzwischen in diesem Jesus-Stall entwickelte? Vielleicht hat der Gastwirt sich geärgert, weil ihm ein dickes Geschäft entgangen ist.
„Doch woher sollte ich denn wissen“, sagte er vielleicht zu sich selbst oder zu seiner Frau, „woher sollte ich denn wissen, dass da auch noch Könige anreisen würden oder was immer das für hohe Herrschaften sind? Für die hätte ich natürlich gerne ein paar Zimmer freigemacht.
Das hätte mir gerade so gepasst.“

Aber vielleicht sagte dieser Gastwirt auch noch etwas anderes zu seiner Frau, oder vielleicht doch lieber erst mal nur zu sich selbst:
„Aber das mit den verpassten Königen ist ja noch gar nicht das Schlimmste. Denn da ist ja auch noch dieses Kind, dieses besondere Kind. Ich weiß nicht, was das Besondere an diesem Kind ist, aber irgendwas muss da dran sein, sonst käme doch nicht alle Welt zu diesem Stall.“ Und dann schnaufte der Wirt vielleicht ein bisschen wehmütig:  „Muss man sich mal vorstellen, wenn die alle bei mir eingekehrt wäre.“

Und dann schnaufte der Wirt vielleicht noch etwas wehmütiger:
„Dieses Kind würde ich auch selber gerne einmal sehen. Und vielleicht dürfte ich es auch mal streicheln oder sogar in meinen Armen halten: dieses besondere Kind. Verdammt: Es hätte bei mir zur Welt kommen können! Das wäre schön gewesen! Aber ich habe es vermasselt.“
Und dann schnaufte der Wirt vielleicht noch ein allerletztes Mal: „Und jetzt weiß ich nicht, was ich machen soll: Soll ich einfach mal hingehen zum Stall und gucken, ob die Eltern vielleicht noch da sind, und dann fragen, ob sie denn jetzt doch noch bei mir wohnen wollen? Oder vergesse ich das alles lieber wieder: Ist ja eigentlich auch nur ein komisches Kind, oder?“

Und:

Was ist eigentlich aus den Soldaten geworden – jetzt, wo Weihnachten schon eine Zeit vorbei ist? Sie erinnern sich doch noch daran?
An Weihnachten und an die Soldaten aus der Weihnachtsgeschichte,
die diese mörderische Razzia mit dem Kindermord durchgeführt haben? Naja, so richtig gerne spricht man da ja nicht drüber, und im Heiligabendgottesdienst kommt diese Geschichte auch nicht vor. Passt ja auch nicht zur Stimmung: die Geschichte von einem Kindermord in Betlehem. Ist aber wohl trotzdem passiert: ein Massenmord an allen kleinen Jungs in Betlehem und Umgebung. Denn der König Herodes hatte damals etwas gehört von der Geburt eines neuen Herrschers. Genaues wusste Herodes allerdings nicht: irgendein Junge wohl in einem Stall in Betlehem. Da wollte er doch lieber auf Nummer sichergehen und den möglichen Konkurrenten schnell loswerden. Deshalb der Befehl an seine Soldaten, alle kleinen Jungs in der Gegend zu töten. Und die Soldaten gehorchten.
Aber was macht so ein Soldat nach so einem Auftrag? Wenn die soldatische Arbeit getan ist? Erst mal eine rauchen, weil es endlich vorbei ist? Und dann schnell das Schwert abwischen, weil man das so blutig ja nicht in den Gürtel stecken kann. Und lieber nicht nur einmal abwischen, sondern gründlich putzen, damit es wirklich ganz sauber ist. Und dabei möglichst nichts reden müssen, lieber etwas abseits von den anderen sitzen. Am liebsten wäre man eigentlich ganz allein, aber das geht ja nicht, man hält doch zusammen. Hoffentlich merkt keiner, wie die Hände immer noch zittern. Und hoffentlich sieht keiner, dass man beinahe heult. „Wenn mir jetzt doch nur ein Witz einfallen würde. Ist ja nicht mehr lange bis Dienstschluss.
Aber ich hab‘ Angst vor der Nacht.

Ich habe Angst vor dem Einschlafen, denn da kommen bestimmt wieder Träume. Wie immer nach solchen Befehlen und ihrer Ausführung.
Ich weiß das, aber ich kann doch nichts dagegen machen, oder?“

Wissen Sie eigentlich, liebe Leserin, lieber Leser, dass bei der Geburt von Jesus drei Deutsche dabei waren – das wussten Sie oder? Na ja, zugegeben: Die drei waren nicht direkt bei der Geburt dabei. Sondern sie kamen erst ein bisschen später dazu. Und sie sind auch keine gebürtigen Deutschen, aber eben in Deutschland beerdigt – und das schon seit über fünfhundert Jahren: Da wird man doch wohl mit der Zeit heimisch, oder? Ich meine natürlich die sogenannten drei heiligen Könige. Diese drei liegen im Kölner Dom begraben. Zumindest ist dort ein Reliquienschrein aufgestellt, in dem angeblich ihre sterblichen Überreste aufbewahrt werden.
Was ist das Besondere an diesen Männern aus dem Morgenland? Denn es muss etwas Außergewöhnliches an ihnen sein. Sonst hätte man nicht seit Jahrhunderten mit viel Fantasie und Begeisterung über diese Gestalten und ihre Geschichte nachgedacht. So lange nachgedacht, bis aus der biblischen Gruppe weiser Männer schließlich drei Könige wurden, deren Namen jedes Kind kennt und die nun eben im Kölner Dom als Heilige verehrt werden. Caspar, Melchior und Balthasar.
Als ich über diese Männer und ihre Nachweihnachtsgeschichte nachdachte, sind mir drei Dinge aufgefallen:

Erstens: Die Bibel berichtet, dass sie den Kopf hoch erhoben trugen; deshalb konnten sie den Weihnachtsstern entdecken.

Zweitens: Die Bibel berichtet, dass sie ihren Kopf beugten; deshalb konnten sie das göttliche Kind in der Krippe entdecken.

Und drittens: Die Bibel berichtet, dass sie ihren Kopf zum Umdenken gebrauchten; deshalb gingen sie nicht wieder zu dem mordlustigen König Herodes zurück sondern auf einem Umweg nach Hause.

Ich muss sagen: Ich habe sie liebgewonnen, diese drei alten Kölner. Ich verstehe, warum ihre Köpfe mit Krone und Heiligenschein geschmückt wurden. Sie heben ihren Kopf und bemerken dadurch Gottes Licht über ihrem Leben. Sie beugen ihren Kopf und bemerken Gottes Menschlichkeit unerwartet nah. Sie gebrauchen ihren Kopf zum Denken und finden einen Umweg als Ausweg. Solch dreifache nachweihnachtliche Weisheit wünsche ich Ihnen und mir.

Und, liebe Lesende, was ist eigentlich aus den Engeln geworden – jetzt nach Weihnachten? Was haben die wohl gemacht, als im Jesus-Stall wieder Ruhe eingekehrt war? Einfach wieder zurück in den Himmel und auf den nächsten Einsatz warten, weil Schutzengel ja pausenlos gebraucht werden? Das kann ich nicht glauben, dass Engel einfach Ruhe geben. Denn was sie gesungen haben, war ja ganz ernst gemeint:
„Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden auf Erden bei allen Menschen, die guten Willens sind!“ Ich glaube also, dass sie noch gewartet haben mit dem Rückflug. Weil einer von ihnen plötzlich anfing zu weinen. Die anderen guckten rüber und wunderten sich: „Was denn, willst du jetzt doch noch sentimental werden?“
Aber der weinende Engel antwortete nicht, sondern weinte weiter.
„Was ist mit dir? Ist doch alles gut gelaufen, oder?“ Da unterbrach der traurige Engel sein Weinen und fauchte zurück:
„Alles gut gelaufen, alles gut gelaufen … gar nichts ist gut gelaufen. Weihnachten ist vorbei, aber alles ist noch so wie vorher.“ –
„Ja, was hast du denn erwartet?“, fragten nun alle anderen Engel wie im Chor. Und jetzt schluckte der traurige Engel seine Tränen runter und redete zwar leise, aber klar und deutlich. „Ja“, sagte er, „das habe ich mir schon anders vorgestellt. „Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden auf Erden bei allen Menschen, die guten Willens sind“ – das ist Weihnachten. Aber nichts davon ist passiert. Keine Ehre für Gott in der Höhe; kein Friede auf der Erde; und Menschen, die guten Willens sind, sehe ich auch kaum. Was soll denn werden, wenn das so weitergeht? Versteht ihr denn nicht? Das hängt doch zusammen: der Glaube an Gott und der Friede und der gute Wille! Davon gibt es doch nicht eines ohne die beiden anderen. Und ich weiß gar nicht, was auf der Erde am meisten fehlt.“ „Ja“, nickten die anderen Engel wieder wie im Chor, „da hast du leider recht. Aber nun komm. Wir müssen trotzdem los.“
Und die Engel flogen davon.

Liebe Leserin, lieber Leser!
Der Wirt, die Soldaten, die Heiligen drei Könige, und die Engel – Figuren der Weihnachtsgeschichte heute – wenn scheinbar alles rum ist.

Auch bei uns: Die Geschenke benutzt oder umgetauscht – na ja, das ging dieses Jahr bei geschlossenen Geschäften ja nicht -, das Geschenkpapier in den Müll, die Reste vom Weihnachtsessen eingefroren, die Weihnachtspost endlich gelesen.

Und das Weihnachtsgefühl – dem Alltag gewichen.

Und was ist mit: „Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden auf Erden bei allen Menschen, die guten Willens sind“?

Das, liebe Gemeinde, liegt nun auch an uns. Dies umzusetzen, zumindest da, wo wir es können: in den Familien, in der Nachbarschaft, auf der Arbeit oder in der Schule. Das Kind in der Krippe hat uns als erwachsener Mann vorgelebt, wie es geht. Und damit wir uns nicht zu kraftlos fühlen, haben wir seinen Geist bekommen, der uns stärken und befähigen will. Keinen Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit. Lasst uns im gerade begonnenen Jahr in diesem Geist leben, auch und gerade, wo uns so vieles Angst machen will.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus.
Amen.

 

Lied:  EG 65 Von guten Mächten

Refrain:

Von guten Mächten wunderbar geborgen,
erwarten wir getrost, was kommen mag.
Gott ist bei uns am Abend und am Morgen
und ganz gewiss an jedem neuen Tag.

4. Doch willst du uns noch einmal Freude schenken
an dieser Welt und ihrer Sonne Glanz,
dann wolln wir des Vergangenen gedenken,
und dann gehört dir unser Leben ganz.

5. Laß warm und hell die Kerzen heute flammen,
die du in unsre Dunkelheit gebracht,
führ, wenn es sein kann, wieder uns zusammen.
Wir wissen es, dein Licht scheint in der Nacht.

6. Wenn sich die Stille nun tief um uns breitet,
so laß uns hören jenen vollen Klang
der Welt, die unsichtbar sich um uns weitet,
all deiner Kinder hohen Lobgesang.

 

Text: Dietrich Bonhoeffer (1944)

Melodie und Satz: Otto Abel (1959)

 

Gebet:

Gott des Lebens, wir danken dir für das Licht, das du in die Welt gesandt hast, und bitten dich: Erleuchte die Erde und erfülle die Herzen mit deinem Glanz.

Wir beten für die Menschen, um die es dunkel ist:

für die, die um einen Menschen trauern,

für die, die sich zerschlagen fühlen,

für die, die krank sind,

für die, die keine Zukunft sehen.

Wir bitten dich: Lass dein Licht leuchten für diese Menschen.

 

Wir beten für die Orte in deiner Welt, an denen es dunkel ist:

weil Menschen verfolgt werden,

weil Menschen unterdrückt werden,

weil Krieg herrscht,

weil Menschen hungern.

Wir bitten dich: Lass dein Licht leuchten an diesen Orten.

 

Gott, du führst uns aus dem Dunkel der Nacht in das Licht des Tages. Bleibe bei uns und bei den Menschen, mit denen wir in Liebe und Sorge verbunden sind. Sie und uns lass nicht aus deiner Hand fallen – in Zeit und Ewigkeit.
Amen

Vater unser

 

Segenswünsche zum neuen Jahr

Lebensfreude suche dich täglich auf
Glück schneie zuweilen herein
und Träume sollen sich niederlassen bei dir.

 

Freunde seien in Reichweite
Hoffnungslicht falle durchs Fenster
und der Alltag schenke dir unerwartet manch duftenden Strauß.

 

Segen sei über dein Dasein geschrieben
Sinn erfülle dir alle Sinne
und über dir wölbe sich der Himmel als bergendes Dach.

Tina Willms