Gottesdienst zum Mitnehmen

für den 2. Sonntag nach Epiphanias  –  17.1.2021 

 

Liebe Leserin, lieber Leser!

Auch über die Distanz, die uns die Corona Beschränkungen auferlegt, sind wir verbunden;
Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Der Wochenspruch, der uns durch die kommende Woche geleiten will, steht im Johannesevangelium Kapitel 1 Vers 16:

Von seiner Fülle haben wir alle genommen Gnade um Gnade.

 

Lied:  EG 66, Jesus ist kommen, Grund ewiger Freude, Strophen 1 + 2 + 4

1. Jesus ist kommen, Grund ewiger Freude;
A und O, Anfang und Ende steht da.
Gottheit und Menschheit vereinen sich beide;
Schöpfer, wie kommst du uns Menschen so nah!
Himmel und Erde, erzählet’s den Heiden:
Jesus ist kommen, Grund ewiger Freuden.

2. Jesus ist kommen, nun springen die Bande,
Stricke des Todes, die reißen entzwei.
Unser Durchbrecher ist nunmehr vorhanden;
er, der Sohn Gottes, der machet recht frei,
bringet zu Ehren aus Sünde und Schande;
Jesus ist kommen, nun springen die Bande.

3. Jesus ist kommen, der Fürste des Lebens,
sein Tod verschlinget den ewigen Tod.
Gibt uns, ach höret’s doch ja nicht vergebens,
ewiges Leben, der freundliche Gott.
Glaubt ihm, so macht er ein Ende des Bebens.
Jesus ist kommen, der Fürste des Lebens.

Text: Johann Ludwig Konrad Allendorf (1736)

Melodie: Köthen um 1733

 

PSALM

Meditation zu Psalm 105

Danke, Gott, für alles, was du uns schenkst!
Wir wollen vor dir singen und spielen und erzählen, was du uns getan hast.
Unser Herz ist angefüllt voll Freude, denn du wohnst unter uns mit deinem heiligen Namen.
Wir suchen nach dir und schauen dein Angesicht.
Du hast uns zu deinem Volk erwählt und uns zu deinen Kindern erklärt.
Du hast uns Zukunft verheißen und willst uns vor Unrecht und Not bewahren.
Danke, Gott, für alles, was du uns schenkst! Wir wollen vor dir singen und spielen und erzählen, was du uns getan hast.

 


GEBET

Guter Gott, du hast uns reich beschenkt und beschenkst uns immer wieder neu mit deiner Gegenwart. Du willst uns begleiten und unserem Leben Sinn und Ziel geben. Deshalb wagen wir es mit dir und gehen den Spuren nach, die du durch unser Leben ziehst und durch unsere Welt. Wir tun dies, auch wenn wir nicht wissen, wohin die Wege gehen, die du uns führst. Komm du nun zu uns und lass uns dich aufnehmen in unser Leben und in unsere Welt.

Amen

 

Lied:  EG 66, Jesus ist kommen, Grund ewiger Freude, Strophen 7 + 8

7. Jesus ist kommen, die Quelle der Gnaden:
komme, wen dürstet, und trinke, wer will!
Holet für euren so giftigen Schaden
Gnade aus dieser unendlichen Füll!
Hier kann das Herze sich laben und baden.
Jesus ist kommen, die Quelle der Gnaden.

8. Jesus ist kommen, die Ursach zum Leben.
Hochgelobt sei der erbarmende Gott,
der uns den Ursprung des Segens gegeben;
dieser verschlinget Fluch, Jammer und Tod.
Selig, die ihm sich beständig ergeben!
Jesus ist kommen, die Ursach zum Leben.

Text: Johann Ludwig Konrad Allendorf (1736)

Melodie: Köthen um 1733

 

LESUNG

Johannes 2,1-11

Und am dritten Tage war eine Hochzeit zu Kana in Galiläa, und die Mutter Jesu war da. Jesus aber und seine Jünger waren auch zur Hochzeit geladen. Und als der Wein ausging, spricht die Mutter Jesu zu ihm: Sie haben keinen Wein mehr. Jesus spricht zu ihr: Was habe ich mit dir zu schaffen, Frau? Meine Stunde ist noch nicht gekommen. Seine Mutter spricht zu den Dienern: Was er euch sagt, das tut.
Es standen aber dort sechs steinerne Wasserkrüge für die Reinigung nach jüdischer Sitte, und in jeden gingen zwei oder drei Maße. Jesus spricht zu ihnen: Füllt die Wasserkrüge mit Wasser! Und sie füllten sie bis obenan. Und er spricht zu ihnen: Schöpft nun und bringt’s dem Speisemeister! Und sie brachten’s ihm.
Als aber der Speisemeister den Wein kostete, der Wasser gewesen war, und nicht wusste, woher er kam – die Diener aber wussten’s, die das Wasser geschöpft hatten –, ruft der Speisemeister den Bräutigam und spricht zu ihm: Jedermann gibt zuerst den guten Wein und, wenn sie trunken sind, den geringeren; du aber hast den guten Wein bis jetzt zurückgehalten.
Das ist das erste Zeichen, das Jesus tat. Es geschah zu Kana in Galiläa, und er offenbarte seine Herrlichkeit. Und seine Jünger glaubten an ihn. Amen.

Die Gnade unseres Herrn Jesu Christi und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes, sei mit euch allen.

Amen.

Liebe Leserin, Lieber Leser!

Der Blick in die Kirchenbücher unserer Gemeinden offenbart, was im vergangenen Jahr zu erleben war. Keine einzige Trauung hat stattgefunden. Kein Wunder. In den ersten Monaten war es noch zu kalt. Und dann wurde das Leben so stark eingeschränkt, dass Hochzeitsfesten die Freude abgeschnitten wurde.
Wer will denn da heiraten? Unter solchen Bedingungen. Mit Abstand. Begrenzte Zahl an Gästen. Nicht singen. Nicht tanzen. Was soll das für eine Hochzeit werden? Dann lieber warten, bis es wieder geht.
Aber dann ging es das ganze restliche Jahr auch nicht richtig.
Natürlich wäre eine Hochzeit rechtlich gültig, wenn das Paar mit ganz wenigen Gästen zum Standesamt geht. Ein Gläschen Sekt zum Anstoßen draußen vor der Tür trinkt. Und alle gehen nach Hause.

Aber eine Hochzeit ist doch ein Fest. Ein großes. Ein fröhliches. Ja, ein ausgelassenes. Weil Menschen verliebt sind. Weil sie sich auf gemeinsame Zeit freuen. Weil sie von einer schönen Zukunft träumen.
Und alle sollen an dieser Freude teilhaben. Eltern und Geschwister. Freunde. Onkel, Tanten, Cousins und Cousinen, Großeltern, Nichten und Neffen. Und alle sollen Spaß haben. Sie sollen gut essen und trinken. Sie sollen fröhlich sein. Sie sollen singen und tanzen.
Das Leben ist schön.

Das stimmt so oft nicht. Aber jetzt soll das Schöne am Leben gefeiert werden. Einmal im Leben. Das jedenfalls ist der Plan. Und es ist das, was die Beiden sich gegenseitig versprechen. So ausgiebig und lange wie möglich soll das gefeiert werden. Ohne Einschränkung und ohne schlechtes Gewissen. Da ist kein Gedanke an morgen oder übermorgen oder nächste Woche. Da ist auch keine Furcht vor dem Tag danach, vor dem Kater oder dem Aufräumen. Feiern. Jetzt. Heute und morgen und die ganze Woche. Wenn es um die Liebe geht. Und um das Leben. Wenn es um das Leben geht, das zwei Menschen führen und genießen. Und das Leben, das aus ihrer Liebe entstehen darf, sie zu einer Familie macht.  Das ist dann die reine Freude, die Gott schenkt und gönnt. Herrlich!
Wie unangenehm, wenn diese herrliche Freude am schönsten Tag des Lebens getrübt wird. Zum Beispiel dadurch, dass der Wein alle ist.
Es ist dann völlig egal, ob mehr Gäste da waren. Ob einige mehr getrunken haben, als gedacht. Oder ob einfach zu wenig bereitgestellt war. Er ist alle. Die Gäste möchten weiter trinken. Hinter den Kulissen wird es unruhig. Gastgeber geraten in Panik. Wie peinlich, wie unangenehm. Wie soll das gerettet werden?
Alle, die es mitbekommen, denken und überlegen mit. Auch Maria. Ich sag’s mal meinem Sohn, vielleicht weiß der, wie das hier hinzukriegen ist. Aber das geht völlig daneben. Ganz unfreundlich wird sie abserviert. Es ist nicht meine Aufgabe, bedrohte Hochzeitsfeiern zu retten.
Es gibt wohl Schlimmeres als das. Wenn das Leben selbst eingeschränkt wird. Wenn es bedroht wird. Durch Krankheit oder Gewalt. Durch den Tod. Niemand ahnt, wem wann welche Stunde schlägt.
Jesus schon. Er kennt seinen Weg. Er weiß, was kommt.
Später, wenn diese Hochzeit längst vorbei ist, wenn niemand mehr darüber spricht, dass der Wein alle war. Er weiß, dass Menschen auf ihn hören und ihm vertrauen, dass sie ihm danken dafür, dass er sie geheilt, sie befreit hat. Aber er weiß eben auch, dass manche darauf aus sind, ihn loszuwerden. Er weiß, welchen Weg er gehen muss und gehen wird.
Das ist dann der Sieg des Todes. Da gibt es keinen Wein mehr, keine Freude, kein Leben.
Was aber, wenn Jesus zu den Menschen gekommen ist, um das Leben zu bringen? Wenn er eine Freude schenkt, die bleibt? Wenn er für Wein sorgt, damit es fröhlich zugeht? Dauerhaft. Ohne Ende.
Als wolle er sich nicht vereinnahmen lassen. Nicht von seiner Mutter.
Nicht von dem Gastgeber der Hochzeit. Und auch nicht von denen, die still applaudieren, dass er dem Saufgelage nicht weiteren Zufluss liefert. Weil er zu erkennen gibt, dass er kein Erfüllungsgehilfe irgendwelcher Erwartungen ist. Sondern dass er der ist, der verwirrt und erstaunt. Der frei entscheidet und handelt. Dass er bei allem, was er sagt und tut, das Leben im Blick hat. Und die Freude daran und darauf.

Ja, ich weiß. Immer habe ich es gehört. Dass Jesus für dieses Wunder kritisiert wurde. Wie kann er nur! Solche Mengen an Alkohol. Was ist das denn für ein Zeichen? Mitzuhelfen, dass Leute sich betrinken. Man kann doch auch ohne Alkohol fröhlich sein. Und überhaupt: Es ist eine ernste Angelegenheit mit dem Glauben. Immerhin geht es um Leben und Tod. Um Verzicht. Um Distanz zu dieser Welt und was bei ihr gilt. Das Leben ist keine Party. Christen sollten nüchtern sein. Sie sollen wachen und beten. Sie sollen immer einen Blick und ein Herz für die Armen haben. Das waren schon immer die Worte, aufgrund deren das Christentum als freudlos, ja manchmal lebensfeindlich angesehen wurde.
Und jetzt so etwas:
Wasser zu Wein. Richtig viel. Davon können die Gäste lange trinken. Sie können weiter feiern und fröhlich sein. Mit Wein, der sogar noch besser schmeckt als der davor. Das ist das erste Zeichen, das Jesus tat.
Ein Zeichen für die Freude, für ein fröhliches Fest. Ein Zeichen dafür, dass Jesus gekommen ist, damit Menschen leben. Er weiß von seiner Stunde; Er weiß von seinem Leiden und Sterben. Er weiß auch von all dem Elend der Menschen. Und doch hilft er zu ausgelassener Freude. Gegen das schlechte Gewissen. Gegen die Moralprediger und Mahner: Das darfst du nicht. Das sollst du nicht. Und wenn schon Hochzeit, dann trink doch Wasser oder Saft. Nein.
Wein – als Symbol für das überschwängliche Leben. Wo Jesus ist, geht es um das Leben. Um das gute Leben. Um das Leben, das nicht eingeschränkt ist, nicht abgebremst. Sondern um das Leben, das frei und fröhlich ist.
Das Leben, das mit Jesus zu den Menschen kommt, wird sich als stärker als der Tod erweisen.
Da muss die Freude grenzenlos sein. Und Christ*innen müssen nicht die Spaßbremsen sein. Dafür ist das das erste Zeichen. Mit Jesus kommt die Freude, die größer ist als menschliche Sorge und Leid. Darum gibt es nichts zu mahnen, sondern zu feiern.

Natürlich warten Liebende auf eine Zeit, in der sie wieder fröhlich feiern können. Ohne Einschränkung und Abstand.  In der sie festlich essen, fröhlich singen und ausgelassen tanzen. Und Wein trinken oder Saft oder Limo oder Wasser, aber so wie sie wollen. Ohne schlechtes Gewissen. Mit viel Freude. Und als Zeichen.
So warten wir alle auf die Zeit, wenn all dies wieder möglich ist. Gott gebe uns die Geduld durchzuhalten. Und irgendwann wird es dann in Gottes neuer Welt immer so sein, wenn Jesus kommt.

Jesu, meine Freude, meines Herzens Weide. Jesu, meine Zier. Weicht, ihr Trauergeister, denn mein Freudenmeister, Jesus tritt herein. Jesu, meine Freude.

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus.

Amen.

 

 

Lied:  EG 396 Jesu, meine Freude, Strophen 1 + 2 + 6

1. Jesu, meine Freude, / meines Herzens Weide, / Jesu, meine Zier,
ach wie lang, ach lange / ist dem Herzen bange / und verlangt nach dir!
Gottes Lamm, mein Bräutigam, / außer dir soll mir auf Erden
/ nichts sonst Liebers werden.

2. Unter deinem Schirmen / bin ich vor den Stürmen / aller Feinde frei.
Lass den Satan wettern, / laß die Welt erzittern, / mir steht Jesus bei.
Ob es jetzt gleich kracht und blitzt, / ob gleich Sund und Hölle schrecken,
/ Jesus will mich decken.

6. Weicht, ihr Trauergeister! / denn mein Freudenmeister, / Jesus, tritt herein.
Denen, die Gott lieben, / muß auch ihr Betrüben / lauter Freude sein.
Duld ich schon hier Spott und Hohn, / dennoch bleibst du auch im Leide,
/ Jesu, meine Freude.

Text: Johann Franck  (1653)

Melodie: Johann Crüger (1653)

 

FÜRBITTEN

Wir danken dir, Gott, dass du in unserem Leben immer wieder Spuren hinterlässt und mit uns bist auf unseren Wegen.
Wir danken dir dafür, auch wenn wir deine Nähe nicht erkennen können, oder wenn wir deine Spuren manchmal erst nach vielen Jahren entdecken.
Wir bitten dich für die Menschen, die an ihrem Leben verzweifeln und denen es schwerfällt, deine Spuren in ihrem Leben zu sehen.
Stell ihnen Menschen an die Seite, die ihnen beistehen, und lass sie achtsam werden für deine Gegenwart.

Wir bitten dich für die unheilbar Kranken, für die Opfer von Unfällen und Gewalt, deren Leben sich von einem Tag auf den anderen verändert hat.
Sei bei denen, die abhängig sind von der Hilfe anderer, und gib ihnen Kraft, ihr Schicksal zu tragen.

Wir bitten dich für die Trauernden, die ihren Partner oder ihre Partnerin verloren haben und die sich nun allein gelassen fühlen.
Sei ihnen nahe und schenke ihnen deinen Trost, dass sie den Weg von der Trauer zur Freude zurückfinden.

Wir bitten dich für uns alle, dass wir dein Wirken in unserem Leben und in unserer Welt immer wieder entdecken.
Wir bitten dich um deine erneuernde Kraft für unser Leben.
Schenke uns trotz allen Einschränkungen Lebensfreude, die wir an andere weitergeben können.

Amen

 

 

VATER UNSER

 

Lied:  EG 171 Bewahre uns Gott, Strophe 1

Bewahre uns Gott, behüte uns Gott, sei mit uns auf unsern Wegen,
sei Quelle und Brot in Wüstennot, sei um uns mit deinen Segen,
sei Quelle und Brot in Wüstennot, sei um uns mit deinen Segen.

Text: Eugen Eckert (1985/87)

Melodie: Anders Ruuth (1984)

 

SEGEN

Gott segne dich und behüte dich;
er lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig;
Gott wende sein Angesicht dir zu und gebe dir Frieden.

Amen.