Informationen zur Tafel

Für Außenstehende ist es manchmal schwierig nachzuvollziehen, was die Tafelarbeit eigentlich ganz konkret bedeutet. Sie sind irritiert über manche Wahrnehmungen, auf die Sie sich keinen Reim machen können. Oft besteht die Vorstellung, dass man armen Menschen ihr geringes Einkommen ansieht und sie sich in bestimmter Weise verhalten müssten. Auch andere Fragen tauchen auf, von denen einige hier aufgeführt sind. Vielleicht tragen die Erklärungen zum Verständnis der Situation der Gäste und MitarbeiterInnen der Tafel bei.

Argument / FrageGegenargument / Antwort

Werden die Leute überhaupt überprüft, die da etwas abholen?Ja, jede / jeder der sich als Gast anmeldet, muss einen Einkommensnachweis vorlegen. Dies ist in der Regel ein „Arge“-Bescheid oder ein Rentenbescheid.Ob jemand zu Recht diese Unterstützung des Staates bekommt, wird von den Behörden sehr genau überprüft und bedarf keiner nochmaligen Untersuchung. Dies könnten die MitarbeiterInnen der Tafel auch nicht leisten. Jeder Tafel-Gast bekommt einen Ausweis, der ihn / sie berechtigt, von der Tafel Ware zu beziehen. Bei jeder Abholung wird dieser Ausweis vorgelegt.

Aber ich hab‘ doch gesehen, wie die Leute mit einem dicken Auto vorgefahren sind!Ja, es gibt tatsächlich einige wenige Gäste der Tafel, die haben (noch) ein Auto aus jenen Zeiten, in denen es ihnen finanziell besser ging. Wie lange sie es noch halten können, ist offen. Es gibt auch Gäste der Tafel, die sich fahren lassen (weil sie schlecht zu Fuß sind, wegen kleiner Kinder, die mitkommen, wegen des Gewichtes, das sie nicht so weit tragen können …), wenn sie die Möglichkeit dazu haben. Dann sind das mit dem Auto manchmal Verwandte (besonders in Familien mit Migrationshintergrund ist der Zusammenhalt groß) oder Nachbarn oder Bekannte …

Ich habe aber auch schon eine Mitarbeiterin der Tafel gesehen, wie sie mit vollen Taschen vom Gemeindehaus weggegangen ist!Ja, es gibt MitarbeiterInnen, die auf Grund ihres geringen Einkommens selbst bezugsberechtigt sind. Und es kommt vor, dass unsere Gäste von bestimmten Artikeln – auch von Kleidung und Haushaltsartikeln – nicht alles mitnehmen. Es kann auch vorkommen, dass etwas im Bestand ist, das sich nicht mehr bis zur nächsten Ausgabe hält. Bevor es weggeworfen werden muss, haben die ehrenamtlichen MitarbeiterInnen die Möglichkeit, es mitzunehmen.

Ich habe das Tafel-Auto auch schon am Donnerstag oder am Samstag fahren sehen, da ist doch gar keine Ausgabe!Ja, auch an den Tagen, an denen keine Ausgabe ist, wird von Geschäften Ware abgeholt, weil einige Geschäfte grundsätzlich eine Abholung an jedem Wochentag erwarten. Die Ware muss dann bis zur nächsten Ausgabe gelagert werden.

Aber ich habe doch gesehen, wie meine Nachbarin Lebensmittel, die sie von der Tafel bekommen hatte, in die Mülltonne geworfen hat!Ja, das kann vorkommen, denn viele der Lebensmittel stehen an der Grenze ihrer Haltbarkeit. Die MitarbeiterInnen der Tafel sortieren die Ware so gut sie können und bemühen sich, nur brauchbare Lebensmittel auszugeben. Bisweilen stellt sich aber erst zuhause heraus, dass dieses oder jenes nicht mehr genießbar oder bereits am nächsten Tag verdorben ist.

Da oder dort steht ganz regelmäßig ein Tafel-Auto vor der Tür!Ja, das kommt daher, dass da oder dort um die Ecke ein Mitarbeiter/eine Mitarbeiterin der Tafel wohnt, der/die einen Wagen der Tafel fährt. Und für eine Pause, die auch dadurch bedingt sein kann, dass zwischen zwei Abholterminen bei den Geschäften eine Pause entsteht, lohnt es sich nicht immer, den Wagen in die Rheinstraße 2 zu bringen. Bei manchen Geschäften wird erst nach Ladenschluss (22 Uhr!) abgeholt.

Die Leute schleppen Taschen ab, die sind so voll, das können die unmöglich alles verbrauchen!Ja, erfreulicherweise können unsere Gäste oft mit vollen Taschen wieder heimgehen.
Das liegt daran, dass

  • etliche Geschäfte uns unterstützen und unsere MitarbeiterInnen fleißig einsammeln
  • von bestimmten Produkten bisweilen ein großes Angebot vorliegt (mit zwei Laib Brot wird eine Tasche schwer und bauchig…)
  • die meisten Gäste ihre Familie mit Lebensmittel versorgen und daher auch mehr bekommen
  • viele der Gäste nur einmal in der Woche Lebensmittel abholen und dies dann für die gesamte Woche reichen soll
  • nur drei Salatköpfe auch eine Tasche füllen können
  • die Tafel in der Mainspitze nicht nur Lebensmittel verteilt, sondern auch Kleidung und Artikel des täglichen Bedarfes. Ein Mantel füllt auch eine Tasche…

Grundsätzlich gilt:
Die MitarbeiterInnen der Tafel versuchen die Abwicklung der Tafel so redlich und fair wie sie können zu vollziehen. Niemand ist perfekt, und es wird auch hier keine hundertprozentige Sicherheit vor Missbrauch der Sache geben. Aber selbst wenn von zehn Gästen neun wahrhaftig gedient ist, ja, wenn sogar von zehn Gästen nur einem wahrhaftig gedient wäre, hätte die Tafel etwas Gutes erreicht.

Gäste, die zur Tafel kommen, geben damit offen kund, dass sie bedürftig sind. Das ist für viele von ihnen unangenehm oder peinlich. Diese Menschen argwöhnisch unter den Generalverdacht zu stellen, sie missbrauchen die Einrichtung der Tafel, stellt auch den Sinn der Arbeit der MitarbeiterInnen in Frage, die ein außerordentlich hohes ehrenamtliches Engagement erbringen – gegen die Not der Armut und damit für unsere Gesellschaft.