Rückblick auf einen Gospelworkshop der besonderen Art

Ein Chorkonzert ist ja nichts Ungewöhnliches, es sei denn, die durchführenden Sängerinnen und Sänger lernen sich erst freitags kennen und müssen noch das Konzertprogramm erarbeiten, das sonntags präsentiert werden soll. Dies zu schaffen war die Aufgabe von Chris Lass, 28 Jahre, Lehramtsstudium für Musik und Englisch, Pianist, Sänger und Komponist. Über die Hälfe seines Lebens hat er mit Gospelmusik verbracht.

Am vergangenen Wochenende leitete er eine Gruppe von fast 60 Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen, die der Einladung der Happy Young Voices, dem Kinder- und Jugendchor der evangelischen Kirche, und dem Eltern-Kind-Projekt 2012 zu einem Gospelworkshop gefolgt waren. „Man hatte keine Erfahrungswerte für ein solches Projekt“ resümiert Chorleiterin Christiane Maier. „Man muss sich darauf einlassen und sich auf die Kraft der Musik, des Gesangs und der Teamarbeit verlassen“.

Dann war der Freitag gekommen. 17.00 Uhr Empfang im Foyer, 18.00 Uhr Einfinden in der Aula der Georg-Mangold-Schule. Chris Lass stellt sich vor, auflockern, erste Übungen. Zehn Lieder sollen es werden, Chris verrät es aber nicht, denn niemand hätte es ihm geglaubt. „Schön, dass wir sogar Texte haben“, freut er sich, „aber keine Sorge, wir benötigen sie nicht“. Und alles wird anders als man es sich vorstellte. Die Arbeit in den Workshops war intensiv, anstrengend, emotional, immer vorangetrieben von Musikalität, Ermutigung und Inspiration eines Chris Lass, der die Gruppe musikalisch und menschlich in seinen Bann zog. Und langsam formte sich ein Bild, eine Vorstellung, die sagte: Vergiss all Deine Erfahrungen über Musik und Gesang und vertraue ganz einfach der Musikalität von Chris Lass, lass Dich treiben, lass Dich inspirieren.
 

 

„Gospelteens“, unter diesem Motto führte Chris etwa 20 Kinder und Jugendliche durch zwei separate Workshops. Mit eigenen Liedern, eigener Ansprache, eigenem Musikstil. Die Erwachsenen, die kurz in die Aula reinhörten trauten ihren Augen und ihren Ohren nicht so recht.

Knisternde Spannung am Sonntag 18.00 Uhr. Tontechnik, Illumination, ein glänzend aufgelegter Chris Lass, kongenial seine langjährigen Bandkollegen. Ein fulminantes Erlebnis, die ganze Spannung entlud sich in einer intensiven Interpretation der einstudiert

 

en Gospellieder. Wer die Körpersprache vieler der vortragenden Sängerinnen und Sänger genau beobachtete, konnte erkennen, dass die Musik ihre Emotionen erfasst hatte. „Wer glaubt, dass dies der Höhepunkt ist, hat sich getäuscht“ so Chris Lass, denn er kündigte jetzt die Gospelteens an, die Ihre Lieder mit Begeisterung vortrugen, der Funke war endgültig übergesprungen zum Tanz der tausend Strahlen der Spiegelkugel. Zum großen Finale stimmten alle 60 teilnehmenden ChorsängerInnen an: „Lord, you will raise me up and hold me in your arms. Gott, Du wirst mich anheben und mich in Deinen Armen halten“. Wunderkerzen, die Mischung der Stimme von Chris Lass im Duo mit der bezaubernden elfjährigen Sascha Hartmann verbreitet einen besonderen Charme.

 

 
 

Dann war das Konzert am Sonntag zu Ende – mit einem Programm, das es Freitag noch nicht gab, mit einem Chor, der sich am Freitag noch nicht kannte. Abschied, man wird sich wiedersehen, persönlich oder in den Gedanken an das Konzert.